Revision im Christentum

Die christliche Religion ist seit dem Wirken und den Schriften von Augustinus auf ein Schwarz-Weiß-Bild von Himmel und Hölle und von GUT und BÖSE festgelegt.

In jüngster Zeit geraten die christlichen Kirchen in eine Krise mit fortdauernden Kirchenaustritten. Als Grund wird unter anderem Fehlverhalten von Priestern genannt. Verhaltensfehler finden sich auch auf anderen Gebieten z.B. bei Trainern und Lehrern. Man bemängelt die in der Kirche unterbelichtete Rolle der Frau, die es natürlich auch in anderen Bereichen geben kann, wenn man z.B. an die Geringschätzung der Hausfrauenarbeit denkt. Und man findet organisatorische Mängel in der Kirchenorganisation, wie sie sich anderswo auch finden lassen. Vielfach werden auch finanzielle und steuerliche Gründe angeführt. Aber wenn man bedenkt, was heutzutage an Geldern für wertvolle und gehaltvolle Informationen gezahlt wird, ist auch dies nur vordergründig. 

Der wahre Grund liegt tiefer; dieser wird jedoch nur von wenigen Kirchenführern eingesehen. Es ist das Schwarz-Weiß-Bild dieser Religion, das auf viele offene Fragen keine Antwort geben kann und das hilfreiche und verständliche Problemerklärung und Problemlösungen im Geistigen oft nicht liefern kann.  Es sind vielfach gebildete und aufgeklärte Menschen, die mit den Aussagen der Kirchen nichts anfangen können und deshalb die Kirche verlassen. Aufklärung und Bildung verlangen auch nach vernunftgesteuerter Auslegung biblischer Aussagen. 
Es geht heute, wie Thomas Halik, der mit dem Templeton-Preis - dem inofiziellen Nobelpreis für Religion - ausgezeichnet wurde, es in “Der Nachmittag des Christentums“ formuliert: „Um das bessere Verstehen, um ein neues und tieferes Lesen der biblischen Schriften, damit auch die Zeichen der Zeit erkannt werden“

Noch deutlicher wird Thomas Schirrmacher, der Sprecher für Menschenrechte in der weltweiten Evangelischen Allianz, der davon ausgeht, dass man die Paulus -Briefe und auch andere Stellen in den Evangelien nur verstehen kann, wenn man sie komplementär- polar interpretiert. Wer sich mit dem Wirken von Jesus und der Erklärung seines Tuns auseinandersetzen will muss in der Tat hauptsächlich in den Paulus-Briefen an seine Schüler nachlesen. Das ist auch deshalb empfehlenswert, weil man weiß, dass die wirksame Vermittlung von Theorien, Lehren und Botschaften immer voraussetzt, dass der Lehrende sie verstanden haben muss, um sie kongenial weitergeben zu können. 

Während viele biblische Aussagen sozusagen journalistische Berichterstattung von Beobachtungen und Fakten von Jesus Wirken sind, findet man bei Paulus vielfach Erklärungen für das “System Jesus“, d.h. für das Gedankengebäude und die theoretischen Grundlagen seines Wirkens.

Wenn Paulus von Liebe und Kraft als Grundlage von Jesus Botschaft spricht, dann sind Zuwendung, Offenheit, Selbstkritik, Kompromissbereitschaft, Harmonie und die Du-Orientierung auf Seiten der Liebe maßgebliche Kennzeichen, während auf Seiten der Kraft die Ich-Orientierung, Selbstsicherheit, kritisches Kontrollverhalten, Festigkeit, Durchsetzungskraft, Stabilität, Konfliktbereitschaft und Wehrhaftigkeit ins Blickfeld geraten.
Dies sind zugleich die wichtigen Seiten-Merkmale im KEH-Einschätzungsbogen.

Mit der komplementär/polaren Erklärung kann man auch der Bergpredigt eine ganz andere Bedeutung beimessen, als sie heute bevorzugt einseitig in Richtung Barmherzigkeit von allen sozial engagierten und ausgerichteten Menschen bevorzugt wird.

Am weitesten in Richtung geistiger Revision des Christentums gehen Volker Gerhart, der ehemalige Vorsitzende der Ethikkommission, mit seiner Interpretation Gottes als Sinn des Sinns und vor allem Max Lüscher, der profilierteste Vertreter der komplementär-polaren Sichtweise, dessen Gottes-Verständnis in der Harmonie beruht, auf welche die polaren Gegensätze zwingend zulaufen.

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